Leistungsgrenzen von Flachheizkörpern realistisch erklärt
Infrarotheizungen werden oft als einfache, effiziente Lösung beworben. Das führt schnell zu falschen Erwartungen. Eine Infrarotheizung ist kein Ersatz für jede Heizform und kein Allheilmittel bei schlecht gedämmten Gebäuden. Sie funktioniert nach klaren physikalischen Prinzipien und hat ebenso klare Grenzen.
Wer diese Grenzen kennt, kann sie sinnvoll einsetzen. Wer sie ignoriert, zahlt am Ende hohe Stromkosten oder friert an kalten Tagen.
Wie eine Infrarotheizung tatsächlich heizt
Eine Infrarotheizung erwärmt nicht primär die Raumluft, sondern feste Oberflächen. Wände, Decken, Böden und Möbel nehmen die Strahlungswärme auf und geben sie zeitverzögert wieder ab.
Das funktioniert gut, wenn:
- genügend Speichermasse vorhanden ist
- Wärmeverluste begrenzt sind
- die Strahlung den Raum sinnvoll erreicht
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, stößt das System schnell an seine Grenzen.
Bausubstanz: Der entscheidende Faktor
Gut gedämmter Neubau
- Sehr gut geeignet
- Geringer Wärmebedarf
- Infrarotheizung kann Räume zuverlässig temperieren
- Auch als Hauptheizung realistisch
Sanierter Altbau
- Möglich, aber sorgfältige Planung nötig
- Dämmstandard von Außenwänden, Dach und Fenstern entscheidend
- Einzelne Räume oft gut versorgbar, ganze Häuser kritisch
Unsanierter Altbau
- Meist problematisch
- Hohe Wärmeverluste über Außenwände
- Infrarotheizung läuft dauerhaft unter Volllast
- Hohe Stromkosten, trotzdem oft unzureichende Raumtemperatur
Kurz gesagt: Je schlechter die Dämmung, desto schneller erreicht die Infrarotheizung ihre Leistungsgrenze.
Platzierung: Oft unterschätzt, technisch entscheidend
Infrarotheizungen wirken gerichtet. Die Platzierung bestimmt, welche Flächen erwärmt werden.
Sinnvolle Platzierung
- An Außenwänden
- In Fensternähe
- Mit freiem Strahlungsfeld in den Raum
Ungünstige Platzierung
- Hinter Möbeln
- In Nischen
- Zu hoch oder zu niedrig montiert
Eine falsch platzierte Infrarotheizung verliert einen großen Teil ihrer Wirkung, obwohl sie volle Leistung aufnimmt.
Außentemperatur: Hier zeigen sich die Grenzen
Je kälter es draußen wird, desto höher sind die Wärmeverluste des Gebäudes. Infrarotheizungen können diese Verluste nur bis zu einem bestimmten Punkt ausgleichen.
Moderate Wintertage (0 bis -5 °C)
- In gut gedämmten Gebäuden unproblematisch
- Raumtemperaturen von 20 bis 22 °C realistisch
Kalte Tage (-5 bis -10 °C)
- Leistung muss deutlich erhöht werden
- In Altbauten oft nur noch eingeschränkt ausreichend
Extrem kalte Tage (-15 °C und kälter)
- Kritischer Bereich
- In vielen Gebäuden reicht die Heizleistung nicht mehr aus
- Räume werden nicht mehr vollständig warm
- Dauerbetrieb mit sehr hohem Stromverbrauch
Gerade diese Extremtage entscheiden darüber, ob eine Infrarotheizung als Hauptheizung geeignet ist oder nicht.
Gewünschte Innentemperatur: Kleine Unterschiede, große Wirkung
Jedes Grad mehr erhöht den Energiebedarf spürbar.
- 20 °C: meist gut erreichbar
- 22 °C: deutlich höherer Leistungsbedarf
- 24 °C: oft nur mit Überdimensionierung möglich
In schlecht gedämmten Räumen kann bereits der Wunsch nach 22 °C dazu führen, dass die Heizleistung nicht mehr ausreicht.
Leistungsgrenzen im Überblick
| Gebäudetyp | Außentemperatur | Realistische Raumtemperatur | Einschätzung |
| Neubau, sehr gut gedämmt | -5 °C | 21–23 °C | sehr gut geeignet |
| Neubau, sehr gut gedämmt | -15 °C | 20–21 °C | grenzwertig, aber möglich |
| Sanierter Altbau | -5 °C | 20–21 °C | geeignet mit Planung |
| Sanierter Altbau | -15 °C | 18–20 °C | oft an Leistungsgrenze |
| Unsanierter Altbau | -5 °C | 17–19 °C | meist unzureichend |
| Unsanierter Altbau | -15 °C | unter 18 °C | nicht sinnvoll |
Typische Fehlannahmen in der Praxis
„Die fühlt sich warm an, also reicht sie auch“
„Man kann einfach mehr Panels montieren“
„Strahlungswärme braucht weniger Energie“
Physikalisch gilt: Der Wärmebedarf des Gebäudes bleibt gleich. Die Infrarotheizung ändert nicht die Energiemenge, sondern nur die Art der Wärmeübertragung.
Fazit: Was eine Infrarotheizung leisten kann – und was nicht
Eine Infrarotheizung kann:
- Räume gleichmäßig und angenehm temperieren
- In gut gedämmten Gebäuden zuverlässig heizen
- Als Zusatz- oder Zonenheizung sehr sinnvoll sein
Sie kann nicht:
- schlechte Dämmung ausgleichen
- bei Extremkälte jedes Gebäude ausreichend beheizen
- dauerhaft hohe Raumtemperaturen ohne hohe Stromkosten liefern
Entscheidend ist nicht das Heizpanel, sondern das Gebäude. Wer realistisch plant und ehrlich bewertet, kann mit einer Infrarotheizung gute Ergebnisse erzielen. Wer sie falsch einsetzt, zahlt am Ende für Physik, die sich nicht überlisten lässt.
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Infrarotheizung für Ihre Situation geeignet ist, lohnt sich eine fachliche Einschätzung vor der Investition.
Dieser Inhalt wurde sorgfältig erstellt und stammt aus der Redaktion von primaProfi. Mehr Infos unter Redaktion & Methodik.
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